Ökologisch und umweltschonend Färben

 

Cornelia Westfehling ist als Nachhaltigkeitsmanagerin bei LANIUS in vielen Bereichen eine wichtige Ansprechpartnerin und betreut insbesondere die Bereiche Technik und Qualitätssicherung. Bei Cornelia bündelt sich das Wissen rund um Siegel, Zertifikate und alles, was man „mal eben nachschlagen muss“, weil man es einfach nicht alles im Kopf haben kann. Das Thema Färben mit natürlichen Farbstoffen - umweltfreundlich und ohne Einsatz chemischer Zusatzstoffe - war ein lang gehegter Traum von uns. Und unsere NATURAL DYEING Linie ist seit 2019 nun fester Bestandteil unserer Kollektion. Wir haben Cornelia zum Thema Färben bei LANIUS und natürliche versus synthetische Farbstoffe interviewt. 




Liebe Cornelia, wie wird bei LANIUS gefärbt?

Bei unseren Färbungen kommt es immer auf die jeweilige Faser an. Es ist zum Beispiel relevant, ob es sich um eine Faser pflanzlichen Ursprungs handelt, wie Baumwolle oder Leinen, oder um eine Faser tierischen Ursprungs, wie Wolle oder Seide. Grundsätzlich richten wir uns nach den strengen Richtlinien des Global Organic Textile Standard - kurz GOTS. Denn auch wenn es sich um ein nicht GOTS-zertifiziertes Produkt handelt, legen wir unseren Produzenten für die Färbung der Ware die Inhaltsstoffe und Produkte der GOTS-Positivliste ans Herz. Unsere Kleidungsstücke werden durch unsere Qualitätssicherung zudem regelmäßig überprüft. So sind Schadstoffrückstandstests zum Beispiel essentieller Bestandteil unserer Kontrolle. Um auf eine besonders schonende Weise zu färben, haben wir uns schon lange mit Naturfarbstoffen beschäftigt. Dabei werden die Stoffe nämlich rein mit den aus Pflanzen und Blüten extrahierten Farbstoffen gefärbt.

 

Was sind die größten Risiken beim Färben? Worauf muss man achten?

Wir achten beim Färben vor allem darauf, dass die Färbereien über die jeweiligen Zertifikate verfügen, welche zum einen die Verwendung von Chemikalien im Färbeprozess, und zum anderen die Chemikalien im Endprodukt beschränken, sowie bestimmte Produkte vorgeben mit denen gefärbt werden darf.  Zudem achten wir auf ein hochwertiges Abwasser-Management. Die Gefahr, dass Chemikalien einfach ungefiltert ins Abwasser abgeleitet werden, ist leider weltweit immer noch sehr hoch, darum legen wir vor allem hierauf großen Wert.

 

Natural Dyeing versus konventionellem Färben – worin besteht der Unterschied?

Hier stehen sich pflanzliche Farbstoffe und synthetische Farbstoffe gegenüber. Im 19. Jahrhundert wurden die ersten synthetischen Farben entwickelt und eingesetzt, dadurch war es plötzlich möglich die Färbung auf ein industrielles Niveau zu heben. Zuvor wurde ausschließlich mit pflanzlichen Farbstoffen gefärbt - zum Beispiel mit Indigo oder der Krappwurzel. Zur Gewinnung natürlicher Pflanzenfarben werden die Farbstoffe direkt aus der Pflanze extrahiert und auf die Faser aufgebracht. Bei einer konventionellen Färbung wird der Farbstoff synthetisch hergestellt.  

 

Worin bestehen die Herausforderungen von Natural Dyeing?

Die Reproduzierbarkeit, die Qualität und Intensität der Farbstoffe, welche die Pflanze mitbringt, ist unter anderem davon abhängig, wie Sie angebaut wird. Eine Pflanze wächst besser oder schlechter - je nach Nährstoffgehalt im Boden und der Sonneneinstrahlung. Dies wirkt sich wiederum direkt auf die Intensität der färbenden Stoffe in der Pflanze aus. Dadurch ist nicht vorherzusehen, ob eine Pflanze nun intensiv oder weniger intensiv färbt. Das ist eine Herausforderung, die sich auch wirtschaftlich innerhalb des Produktionsprozesses auswirkt. Hier ein Beispiel: Wir möchten ein T-Shirt in einem satten Rot in der Kollektion haben - nach dem Design des Shirts, geht es jetzt also an die Produktion - denn aufgrund der von unseren Händlern platzierten Vororder, die ein großes Interesse an dem Shirt gezeigt haben, möchten wir so viele T-Shirts produzieren, dass dafür etliche Ballen Stoff eingefärbt werden müssen. Es ist allerdings nicht vorherzusehen, wie die Farbstoffe auf die Baumwolle des T-Shirts reagieren, wie gut die Farbe daran haften wird, und wie die Intensität der Farbe sein wird. Es kann dann passieren, dass sich Farbschwankungen ergeben, die von einem blassen Rosa bis hin zu Orange reichen, oder dass das Farbergebnis fleckig wird. Diese Unwägbarkeiten bei der Färbung stellen natürlich auch ein finanzielles Risiko dar, die bei der synthetischen Färbung wegfallen, denn die chemischen Substanzen liefern ein verlässliches Farbergebnis. Denn was macht man nun mit den Stoffballen, die anstatt Rot dann Rosa geworden sind, die Händler jedoch ein rotes Shirt bestellt haben? Dieses Szenario stellt definitiv die größte Herausforderung beim Natural Dyeing dar. 

 

Gibt es Farben, die umweltfreundlicher und solche, die weniger umweltfreundlich sind? Und wie sieht es mit der Hautverträglichkeit von Farbstoffen aus?

Ja, es gibt Farben, die sowohl umweltfreundlicher, als auch hautverträglicher sind. In Deutschland und der EU gelten recht strenge Gesetze zur Produktsicherheit, welche ebenfalls gefährliche, bzw. toxische Stoffe reglementieren. Aber auch hier gibt es Grenzen und Ausnahmen. Zum Beispiel gibt es weltweit Farbstoffe, die ökologisch bedenkliche Substanzen enthalten, da sie gefährlich für Mikroorganismen und somit umweltschädlich sind. Oftmals sind Schwermetalle Bestandteil von Farbstoffen, und zwar in so hoher Konzentration, dass sie für den menschlichen Organismus gefährlich und sogar krebserregend sein können. Andere Schwermetalle lösen Allergien aus, wie zum Beispiel Nickel. Wieder andere Chemikalien, welche auch oft beim Färben von Textilien eingesetzt werden, stehen im Verdacht hormonell wirksam zu sein. Aufgrund dieser, nennen wir es mal "Vielfalt potenzieller Gefahren", die von den verschiedenen Substanzen ausgehen, vertrauen wir nur auf solche Zertifikate und Siegel, die nicht nur einzelne Chemikalien begrenzen und verbieten, sondern auch Substanzen verbieten, welche im Verdacht stehen gefährlich zu sein und besonders hohe Anforderungen an die eingesetzten Chemikalien stellen.

 

Wie schwierig oder wie einfach ist es, ökologisch gefärbte Stoffe zu sourcen?

Das ist tatsächlich eher aufwändig. Es stellt schon eine große Herausforderung dar, sich auf die entsprechenden Messen vorzubereiten und Hersteller zu finden, welche in dem Punkt unseren Anforderungen gerecht werden. Wir konzentrieren uns dabei um sicher zu gehen auf solche Textilien, die auch in Hinsicht auf die verwendeten Farbstoffe zertifiziert wurden. 

 

Wie verhält es sich mit der Farbe Schwarz?

Schwarz ist definitiv die schwierigste aller Farben und auf natürliche Weise nicht zu färben. Daher muss ein tiefes Schwarz immer mit synthetischen Farbstoffen gefärbt werden. Da umweltfreundlichere Farben weniger aggressiv sind, kann es sein, dass ein schonend gefärbtes, schwarzes Kleidungsstück viel schneller ausbleicht, oder nicht ganz so intensiv im Farbergebnis ist, wie Kleidung, die mit einem stärkerem Farbstoff gefärbt wurde.

 

 

Wie erhalte ich meine Farben möglichst lange, damit ich sie nicht nachfärben muss?

Damit Kleidungsstücke möglichst lange ihre Farbe und Strahlkraft behalten, ist es vor allem wichtig sie richtig zu waschen und zu trocknen. Im besten Fall sortiert man also die Wäsche entsprechend ihrer Farbe, Material und Temperatur und verwendet das richtige Waschmittel. Good to know: Sogenannte „Voll-„ oder „Universal-Waschmittel“ enthalten Bleichmittel und eignen sich daher nicht für bunte und dunkle Wäsche. Hier lohnt es sich also wirklich auf „Color“ oder „Feinwaschmittel" zurückzugreifen. Wenn man beim Waschen dann schon alles richtig gemacht hat, geht es an die Trocknung. Dunkle Kleidungsstücke scheuen die pralle Sonne! Also auch wenn es super praktisch ist im Sommer die Kleidung draußen in Lichtgeschwindigkeit trocknen zu lassen, sollte auf ausreichend Schatten geachtet werden. Grundsätzlich gilt: Jede Färbung, egal wie farbecht, wird bei Sonneneinstrahlung nach und nach ausbleichen.

 

Wie verschaffe ich mir als Konsument*in einen Überblick und treffe gute Kaufentscheidungen, wenn es um das Thema Färben geht?

Dabei kann man sich am besten auf unabhängige Zertifizierungen verlassen. Hierbei sind jedoch solche Siegel zu unterscheiden, die die Chemikalien beschränken, welche am Ende noch in der Kleidung nachweisbar sind, und jene Siegel, die zudem noch beschränken, welche Chemikalien während des Herstellungsprozesses hinzugefügt wurden.

Zertifikate wie zum Beispiel GOTS oder bluesign beschränken unter anderem jeweils die Chemikalien, die hinzugefügt werden dürfen und verfügen über Grenzwerte, die im fertigen Stoff verbleiben dürfen. Der Öko-Tex-Standard hingegen hat Grenzwerte für das Endprodukt festgelegt und zertifiziert Produkte, welche im finalen Zustand diese Grenzwerte nicht überschreiten dürfen.

Unsere Empfehlung: Es lohnt sich immer einen kurzen Blick auf www.siegelklarheit.de zu werfen vor oder auch bei einem Einkauf. 

 

Wo kann man als Endkundin ökologische Farben kaufen?

Zum Beispiel hier:

https://www.livos.de/de/onlineshop/kreative-gestaltung/produkte-fuer-kinder/weja-faerbeset-fuer-baumwolle-und-leinen-nr.-1410-1430-134

https://www.lebensfluss.de/oeko-textilfarbe-baumwolle-und-leinen-p-1710.html

 

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Erfahren Sie mehr über die
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LANIUS Natural Dyeing

 

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