Claudia Lanius im Interview: 20 Jahre LANIUS

Anfang letzten Jahres sitzen wir  das LANIUS Team  im wöchentlichen Meeting zusammen und besprechen die anstehenden Projekte und Aufgaben. Es geht vor allem um die ersten Designs der nächsten Frühjahr/Sommer Kollektion 2019 und plötzlich hält Claudia inne und stellt fest: "Leute, nächstes Jahr haben wir 20-jähriges Jubiläum: 20 Jahre LANIUS!" 

Es folgt ein aufgeregtes Meeting voller Ideen, alter Geschichten und Vorfreude: Vor zwanzig Jahren hat Claudia Lanius das nachhaltige Modelabel LANIUS gegründet  in einer Zeit, in der Fair Fashion noch „Öko-Mode“ hieß und weit hinten auf der Attraktivitätsskala rangierte. Und genau das, wollte sie ändern. Lesen Sie heute anlässlich des 20-jährigen Jubiläums im LANIUS-Blog ein sehr persönliches Interview von und mit Claudia Lanius, in dem es sowohl um Gründungsängste und Visionen, gesammelte Erfahrungen und Zukunftspläne, wie auch schlichtweg um das "Frau-sein" und Female Empowerment geht. 

 

Claudia, vor 20 Jahren wolltest du nach einer erfolgreichen Zeit mit deinem ersten Label THC  The Hanf Company  einen Neustart wagen: Mit einer größeren Vielfalt an nachhaltigen Materialien und femininere Designs. Wie waren deine Anfänge damals mit LANIUS?

Claudia: Die Anfänge von LANIUS... Ich würde sagen: am Anfang war alles relativ bescheiden. Ich war Anfang dreißig als ich mich von meinem Mann trennte, meine Tochter Annabelle war gerade fünf und ich  ich wollte nach den Jahren mit meinem ersten Label THC, in denen ich so unglaublich viel durch hess natur, die zu meinen ersten Kunden zählten, gelernt hatte, unbedingt weiter machen. Ich hatte zwar eine klare Vision, aber ganz ohne Bauchschmerzen habe ich die Entscheidung ein Label zu gründen damals natürlich nicht getroffen: ohne finanziellen Background, als One-Woman-Show und mit der ganz grundlegenden Angst, ob man überhaupt eine Chance hat am Markt zu bestehen. Aber mein Schaffensdrang hatte klar Überhand und ich hab dann die Ärmel hochgekrempelt und mir überlegt, wie der nächste Schritt sein muss. Meine ursprünglich große Kollektion aus THC-Zeiten habe ich erstmal radikal verkleinert auf drei bis vier Styles und habe dann mit einer handvoll bestehender Kunden weitergemacht, die mir mit LANIUS folgen wollten. Aber es war wirklich alles sehr bescheiden: Ich hatte mein kleines Büro in der Merowingerstraße und habe mehr als nur einmal gedacht: Wie soll ich das schaffen? Aber ich hatte Lieferanten und Kunden, ich konnte Ware liefern und etwas verdienen. Und ich hatte Brigitte an meiner Seite, die für mich die Schnitte gemacht hat und mir mit den Produkten geholfen hat  genauso wie sie es heute noch tut und seit jeher eine unglaublich wichtige und stabile Person für mich und LANIUS ist. Das alles hat am Anfang ausgereicht und um zu sagen: Alles klar, weiter geht's!

Und würdest du dich heute wieder für's Weitermachen entscheiden?

Claudia: Ja, das würde ich. Ich würde definitiv wieder mein eigenes Label gründen. Weil einfach die Leidenschaft zu Kreieren und mit nachhaltigen Textilien zu arbeiten nie erloschen ist.

Hattest du einen Business-Plan, in dem die nächsten 10 Jahre geplant waren, oder wie war deine Herangehensweise?

Claudia: Einen Business-Plan hatte ich  sonst hätte ich nicht anfangen können. Aber zunächst mal habe ich mir überlegt, wie ich das nächste Jahr überlebe. Ich hatte auch einen guten Steuerberater mit dem ich die nächsten Jahre geplant habe. Im ersten Schritt habe ich dann angefangen, meine Kunden aus THC-Zeiten wiederzugewinnen mit LANIUS und habe sehr klein und risikobewusst geplant.

LANIUS gilt heute als Pionierlabel im Bereich der nachhaltigen Damenoberbekleidung. Was bedeuten 20 Jahre LANIUS für dich persönlich?

Claudia: Dieser Meilenstein macht schon etwas mit mir. Ich habe eigentlich immer das Gefühl ein Sprinter zu sein und jetzt bin ich 20 Jahre Marathon gelaufen. Manchmal macht mir die Zahl auch Angst und ich denke: Puh, bin ich schon so alt? Aber ich fühl mich irgendwie nicht alt und ich habe einfach Lust weiterzumachen. Ich bin stolz, auf das was ich geschafft habe.  20 Jahre bedeuten für mich, eine Menge bewegt zu haben; bedeuten für mich, etwas aufgebaut zu haben, was stabil ist! Das war immer meine grundlegende Angst und ich dachte: Das kann doch eigentlich gar nicht funktionieren, da kommt jetzt jemand anderes und macht das viel besser. Da waren viele Selbstzweifel  der Markt ist groß und es gibt soviele Labels. Für mich hat sich aus heutiger Sicht ganz klar herauskristallisiert, dass wenn man konsequent ist, bei einer Sache bleibt und sich auch eine Haltung bewahrt – ist das der Weg an ein Ziel! Sich nicht zu verzetteln, auch wenn es mal ein Jahr gibt, wo man schräg angeguckt wird. Und diese Jahre gab es definitiv, wenn ich auf der Messe stand und die Menschen sich nicht die Bohne für Nachhaltigkeit interessierten. Im Gegenteil, eher noch die Nase gerümpft haben und von den „Öko Sachen“ nichts wissen wollten. Trotzdem habe ich daran festgehalten, weil ich Naturtextilien bis heute liebe und gerne auf meiner Haut trage. Weil sich nachhaltige Mode auch damals schon richtig angefühlt hat und ich mir immer sehr der Tatsache bewusst war, dass es sich auszahlt gut zu unserer Erde zu sein. Das ist heute wohl noch aktueller als damals.

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LANIUS ist immer homogen gewachsen. Wie erklärst du den gesunden Erfolg deines Modelabels?

Claudia: Ich denke, das liegt einfach in der Natur der Dinge. Ich gebe kein Geld aus, das nicht mir gehört, oder wo ich nicht sehe, dass wir das verdienen können. Ich bin bescheiden, komme nicht aus einem großen Unternehmerhaus, habe keine Betriebswirtschaft studiert und gehe die Dinge einfach mit gesundem Menschenverstand an. Ich bin froh und stolz über ein gesundes Wachstum und mache das genauso schon seit meinen Anfängen.

Heute ist der internationale Weltfrauentag. Was denkst du darüber, dass für Frauen immer erst Begriffe "erfunden" werden müssen, wenn sie sich im Job besonders hervor tun? Wird sich das irgendwann ändern? 

Claudia: Ja, das ist irgendwie peinlich. Vor allem in meiner Generation war das so und ich persönlich hatte sehr große Probleme damit, weil ich immer dachte, ich müsste eine super Frau, eine super Hausfrau und eine super Mami sein. Ich bin gegen den Strom geschwommen und das hat sich nicht immer gut angefühlt. Ich hab mich selbst gefragt: Bin ich jetzt Geschäftsfrau? Bin ich karrieregeil? Kann ich überhaupt noch meinem Kind gerecht werden, weil ich jetzt wieder kein Mittagessen gekocht habe, und mir etwas anders wichtiger war?! Da ist man als Frau, die richtig Lust hat zu arbeiten und etwas zu bewegen, in der Zwickmühle. Aber ich bin der Meinung, dass man als Frau und Mutter nicht automatisch zurücktreten sollte. Man kann sich mit dem Mann arrangieren und schauen, dass es dem Kind in einem Kindergarten, oder mit einer Tagesmutter gut geht; und damit schon früh den Kontakt mit anderen Kindern zu ermöglichen und damit eine Form von kindlicher Selbstständigkeit zu fördern. Ich habe mir damals gedacht, es zählt nicht die Quantität an Zeit, die ich mit meinem Kind verbringe, sondern die Qualität. Da ich heute noch immer ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Tochter Annabelle habe, glaube ich, dass ich das nicht ganz verkehrt gemacht habe. Aber es ist sicherlich so, dass es immer eine Aufgabe der Frau sein und bleiben wird, das Ganze gut unter einen Hut zu bringen und es ist irgendwie traurig, dass wir dafür noch irgendwelche Wörter erfinden müssen. Sicherlich bin ich wohl eine Art "Powerfrau", die ihren eigenen Kopf hat - wenn man es denn mit diesen Stereotypen ausdrücken möchte. Aber so war ich schon als Kind und so bin ich als Mensch und als Frau bis heute. 

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Woraus ziehst du deine Kraft, wenn es mal nicht so läuft, wie es soll?

Claudia: Indem ich meditiere und viele Sachen mache, die für meinen Körper gut sind (lacht). Aber ich hab auch das nötige Fell und kann Stress ganz gut kompensieren. Ich habe sehr gute Freunde, bei denen ich mich aussprechen kann und meine Kraft daraus ziehe. Schlaf ist mir sehr wichtig – eine Nacht über etwas schlafen, um dann wieder sachlich an die Sache heranzugehen. Generell weiß ich, dass ich die Stärke besitze Niederschläge auch mal zu verkraften.

Worin siehst du die Besonderheiten der LANIUS Kollektionen? 

Claudia: Ein großer Punkt ist die Leidenschaft für das Material, die uns im Designteam vereint. Neben den Farben und Designs, ist der Griff in die Stoffe entscheidend - die Hochwertigkeit der Materialien überzeugt unsere Kunden und das ist es auch, was uns häufig von vergleichbaren konventionellen Marken unterscheidet. Mein Designteam und ich wir gehen mit offenen Augen durch die Welt. Ich bleibe nicht bei irgendeiner Richtung stehen und halte mich auch nicht nur an Vertriebssachen auf, sondern lasse mich inspirieren und das macht glaube ich auch die LANIUS Kollektion aus: dass da Leidenschaft, Wissen und Technik drinsteckt. Wir haben seit zwei Jahren unseren wunderbaren Designer Christian mit im Team, der einfach ein sehr guter und erfahrener Designer ist, der seine Ideen aus der Welt schöpft, sie zusammenträgt, verbinden kann und weiß, wie Kollektionen sein müssen.

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Wie sind deine Erwartungen an die nächsten zehn Jahre?

Claudia: Meine Erwartung ist, dass wir uns stetig weiterentwickeln - Kollektion für Kollektion, so wie wir es bis heute getan haben. Dass wir noch viel mehr in den Produktionsstätten erreichen und noch mehr Betriebe dazu bewegen in Richtung Nachhaltigkeit zu denken. Ich möchte unbedingt die #NOPLASTIC-Initiative vorantreiben und Menschen durch unsere Vision mitreißen. Ich würde auch gerne noch schönere Läden aufmachen, die den interessierten Menschen Background-Informationen und Geschichten zu ihren Kleidungsstücken, den Herkunftsländern und Materialien liefern. Es wäre toll, wenn wir dazu beitragen könnten, neue Ladenkonzepte zu entwickeln. Für mich ist es absoluter Zeitgeist, dass in jeder Stadt ein nachhaltiger Flagshipstore stehen könnte, wo man richtig toll nachhaltig einkaufen, nachhaltig essen und sich inspirieren lassen kann. Daran würde ich gerne teilhaben. 

Gibt es ein herausragendes Erlebnis, das dir in den letzten 20 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist?

Claudia: Herausragende Erlebnisse, die mich wirklich bewegt haben, waren sicherlich unsere Nachhaltigkeitstage, die wir hier mit dem ganzen Team im Haus hatten. Dann der Einstieg meiner Tochter Annabelle und den jüngeren Mitarbeitern ins Unternehmen, die irgendwie noch mal so eine ganz andere Denke mit reingebracht haben. Der Zusammenhalt der Firma insgesamt, der mir das Gefühl gegeben hat, dass ich nicht alleine bin, sondern euch in meinem Rücken habe, und wo die Kraft plötzlich gebündelt war. Das hat mich nachhaltig beeindruckt.

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