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MADE IN CHINA

 

Mit unseren regelmäßigen Travel Journals möchten wir Ihnen einen Einblick geben, was sich hinter den Kulissen der Zusammenarbeit mit unseren Produktionspartnern abspielt.

Die LANIUS Kollektion entsteht weltweit. Warum?

Weil wir bewusst den Fokus darauf legen, unsere Rohstoffe aus den Ländern zu beziehen, in denen sie typischerweise vorzufinden sind und damit die Wertschöpfung im Land zu belassen. Der kulturelle Austausch und auch die Inspiration, die sich aus diesem Blick in die Ferne ergeben, sind dabei ein wunderbarer Nebeneffekt, den wir in unserer Arbeit keinesfalls missen möchten.

In jedem Jahr steht somit eine Reise in eines unserer Produktionsländer an. Nachdem Istanbul, Peru, Litauen und Indien in den vergangenen Jahren an der Reihe waren, ging es im Oktober 2019 für Claudia Lanius und Nachhaltigkeitsmanagerin Cornelia Westfehling in die Volksrepublik China - in die Hafenstadt Qingdao in der Provinz Shandong. Im Fokus der Reise stand die Kontrolle der Vorstufenbetriebe insbesondere der Nassbetriebe. Der Begriff Vorstufenbetriebe bezeichnet die Zulieferfirmen unseres Produktionspartners, die im Produktionsprozess involviert sind. Neben den Zertifikaten und Siegeln, die diese Firmen vorweisen können, zeichnet es sich unserer Ansicht nach immer aus selbst einen Einblick zu gewinnen. Somit stand auf der Agenda uns ein Bild von der Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien, wie Abwassernormen und faire Entlohnung zu machen. Wir möchten an dieser Stelle schon hervorheben, wie positiv jeder einzelne Besuch war: Die Reise hat gezeigt, dass all unsere Betriebe sehr gut organisiert sind und das Einhalten von Arbeits- und Umweltrichtlinien für sie ganz selbstverständlich zur Tagesordnung gehört.


Das Etikett „Made in China“ ist negativ behaftet und wir möchten hiermit aufzeigen, dass dieses Vorurteil nicht pauschal auf ein ganzes Land mit all seinen Produktionsstätten angewendet werden kann.

LANIUS produziert seit über 12 Jahren in China - ausschließlich in ausgewählten Betrieben, denen die Liebe zur Nachhaltigkeit und dem Handwerk unter fairen Bedingungen genauso wichtig ist, wie uns. Wir wünschen Ihnen an dieser Stelle viel Freude mit dem Travel Journal, dass die Eindrücke von Claudia Lanius während der Reise festhält.

 

TRAVEL JOURNAL

Claudia Lanius und unsere Nachhaltigkeitsmanagerin, Cornelia Westfehling auf Produktionsreise in China

 

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Von Frankfurt geht es im Direktflug für uns nach China. Acht, nahezu neun Millionen Menschen leben in der Olympiastadt Qingdao und das was wir von der Stadt an diesem Tag Ende Oktober sehen, ist sehr aufgeräumt und touristisch. Viele Menschen mit Kindern - die 1-Kind-Politik gehört seit 2016 der Vergangenheit an - Lebhaftigkeit und wirtschaftlicher Aufschwung sind in dieser Stadt spürbar. Am Hafen liegen riesige Boote - Statussymbole derjenigen, die Teil des Aufschwungs sind. Die Preise in Cafés können hier locker mit denen in Paris mithalten: In einem kleinen chinesischen Café im Vintage-Stil mit zugegebenermaßen sehr schönem Blick zahlen wir für unsere drei Kaffee 20 Euro. Das kenne ich von meinen vorherigen Besuchen in Zhōngguó - dem Reich der Mitte, wie die Chinesen ihr Land bezeichnen - nicht. Wir genießen unsere Ankunft und Aichin, meine langjährige Produktionspartnerin, die zur Freundin geworden ist, führt uns an Plätze an denen das chinesische Flair in der Großstadt mit seiner traditionellen Altstadt erlebbar wird und zeigt, wie die Menschen in dem Wust von Hochhäusern ihre Kultur pflegen. Es wird Tai Chi auf Plätzen praktiziert, die Gerüche und das Essen lassen uns nach dem Flug schnell ankommen.

 

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Am ersten Arbeitstag besuchen wir Aichins Firma, die uns gut bekannt ist. Wir arbeiten bereits seit 2008 - also 12 Jahre zusammen. Einerseits kennen wir also die Firma und andererseits auch wieder nicht, denn Aichin und ihr Betrieb sind mittlerweile bereits zum fünften Mal umgezogen in ein neues Fabrikgebäude. Das liegt daran, dass Aichin die Gebäude mietet und nicht selbst baut. In China darf niemand Land besitzen, alles gehört dem Staat. Wenn man selbst baut, erhält man eine Art Sondernutzungsrecht. Doch Aichin möchte flexibel und agil bleiben und so mietet sie, ist damit aber auch der Willkür der Obrigkeit Staat ausgesetzt und wenn der beschließt, die gesamte Industrie beispielsweise für die Olympischen Spiele zu verlegen, muss auch Aichins Fabrik weichen. Der neue Standort ist schön - die Mitarbeiter strahlen, es spielt Musik, es ist hell und freundlich. Viele Gesichter kenne ich hier von früheren Besuchen. Als echte Pionierin in vielerlei Hinsicht hat Aichin, die mit einem Dänen verheiratet ist und zwischen den Ländern pendelt, anthroposophisches Gedankengut in ihre chinesische Produktion integriert. Sie begleitet uns auf unserer gesamten Reise, was mir ein sehr gutes Gefühl gibt, denn vieles ist mir fremd.

Von Aichins kleiner Produktion mit 40 Mitarbeitern, geht es für uns zu Mr. Ding, den ich ebenfalls schon lange kenne. Er hat sich - ähnlich wie ich vor über 20 Jahren - der Hanffaser verschrieben. Seine GOTS-zertifizierte Fabrik ist beeindruckend und er plant die Erbauung eines Hanf-Museums neben der Produktionsstätte. Nach dem Besuch der Fabrik, dem Input und den Bildern der riesigen Organic Hemp-Felder, ist klar, dass ich die Geschäftsbeziehungen ausbauen werde und der taffe chinesische Geschäftsmann für mich der Partner in Sachen Hanf schlechthin ist.

Unsere Tage sind randvoll mit Besuchen: Von einer Strick-Fabrik, in der ich nach unserem unangekündigten Besuch beschließe, nicht zu produzieren, da in den Räumlichkeiten keine Absauganlage vorzufinden ist und viel Staub in der Luft liegt, geht es weiter in eine Fabrik, die das komplette Gegenteil darstellt. Wir kommen in einem Fabrik-Village an, in dem insgesamt 22.000 Menschen beschäftigt sind. Eine unglaubliche Dimension. Die staatliche Fabrik stellt Jersey-Gestricke für bekannte Modekonzerne her und wenn man hier war, weiß man wie Fast Fashion funktioniert. Modernste Vakuum-Entlüftungsanlagen sorgen für staubfreie Hallen und wir erfahren, dass gigantische Mengen - an die 100 Tonnen Jersey pro Tag - für ein bekanntes Fast Fashion Unternehmen produziert werden. Mit unseren kleinen Stückzahlen und „Sonderwünschen“ was die Wertschöpfung der Materialien angeht, kommen wir hier natürlich nicht ins Geschäft.

 

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Mit dem Flugzeug geht es für uns weiter nach Hangzhou - dem Dreh- und Angelpunkt in Sachen Seide. Wir besuchen unseren Agenten vor Ort und den Nassbetrieb, in dem unsere Seidenstoffe gefärbt und bedruckt werden. China stellt sehr hohe Anforderungen an diese Betriebe was das Abwasser angeht. Wir sind beeindruckt, da alles digital erfasst, gemessen und übertragen wird: Jeder Nassbetrieb muss an die staatliche Kontrollstelle angeschlossen sein. Relevante Werte, wie zum Beispiel der ph-Wert des Abwasser, werden hier nicht wöchentlich oder täglich erfasst, sondern permanent. Übersteigt ein Betrieb die vorgeschriebenen Richtwerte, wird er geschlossen. Im Falle von vorsätzlichem Betrug droht dem Inhaber sofort eine Gefängnisstrafe. Diese Entwicklungen sind mir neu. Man spürt deutlich, wie sehr das Land darin bestrebt ist, sein negatives Image als Massenproduktionsland aufzubessern und wie China gleichzeitig erkannt hat, dass es nicht nur gilt den Lebensraum für 1,4 Milliarden Chinesen zu erhalten, sondern dass es um die gesamte Weltbevölkerung geht.

Das Thema Digitaldruck nehme ich nach dem Besuch in einer zweiten Fabrik "mit nach Hause“, um dies im Team zu besprechen. Die Produktionsstätte hat einen nachhaltig guten Eindruck hinterlassen und besonders beeindruckt hat uns auch hier wieder die hochentwickelte Technologie. Beim Digitaldruck wird viel weniger Farbstoff verbraucht, und es gibt so gut wie keine Restfarben, die übrig bleiben. Die Menschen müssen nicht mit der Farbe rumhantieren, sondern färben quasi am Computer. Den Aufpreis, der für die digital gedruckten Stoffe anfällt, werde ich mit dem Team in Köln durchkalkulieren und weitere Recherchen anstellen, ob diese Form der Verarbeitung tatsächlich nachhaltiger ist.

 

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So aufregend die Reise ist, so kräftezehrend sind diese Tage auch. Das wird mir im Schnellzug von Hangzhou über Ningbo nach Zhejiang bewusst. Cornelia, Aichin und ich sind viel unterwegs, legen weite Strecken mit verschiedenen Verkehrsmitteln zurück und überall gibt es Gesichts- und Fingerkontrollen. Wir wissen teilweise nicht, wo wir wann, was essen können und von so mancher Toilette möchte ich lieber gar nicht sprechen. Die Reise im Highspeedtrain ist aber dennoch sehr aufregend. Der Bahnhof gleicht eher einem Flughafen, es ist alles super organisiert, man gelangt erst eine Viertelstunde vor Abfahrt auf das Gleis. Es gibt kein Gedränge, man wartet zivilisiert in Schlangen und hetzt nicht in das entsprechende Abteil. Die Waggons sind sehr groß und der Zug ist so schnell, so ruhig und so unfassbar schwebend, dass ich gar nicht das Gefühl habe in einem Zug zu sein - es rappelt so gar nicht. Wir kommen an vielen glitzernden und blinkenden hohen Häusern, unheimlich viel Industrie und unheimlich vielen Menschen vorbei, die hier leben und arbeiten. Ich denke fast, es hört gar nicht mehr auf. Eine riesige Stadt reiht sich an die nächste.

 

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In Zhejiang angekommen besuchen wir am nächsten Tag einen Produktionsbetrieb mit dem wir erst seit einer Saison zusammenarbeiten. Die große Strick-Fabrik liegt etwas abseits der Megastädte und auf der Fahrt sehen wir kleinere Orte und Tempel, die uns eine Idee vom „alten China“ geben, so wie wir es uns vorgestellt haben. Ein schöner Baumgarten mit Wasserspielen heißt uns im Vorhof der Fabrik willkommen. Was uns dann im Inneren erwartet, ist wirklich besonders: Bepflanzte Wände, minimalistische Wohlfühl-Atmosphäre, große Wasserbecken und ein wunderschöner Besprechungsraum versetzen uns in Staunen. Wir treffen auf „Herrn Massimo“, den ich auf der Stoffmesse in München bereits kennenlernte. Er begrüßt uns herzlich und erklärt, dass dies die italienische Variante seines komplizierten chinesischen Namens sei. Zehn Jahre arbeitete er mit einem Italiener zusammen, der ihm viel Know-How vermittelt hat. Herr Massimo ist einer dieser Menschen, die mich mit ihrer Ruhe und ihrem Karma einfach beeindrucken. Ich merke augenblicklich, wie wichtig dieser persönliche Kontakt ist. Keine Website, keine Mail, keine Video-Konferenz kann diese Form von Treffen ersetzen. Luca und Justin, unsere Sales und Sales Overseas Manager - und Bella, unsere wunderbare Ansprechpartnerin vor Ort, tragen maßgeblich dazu bei, dass wir uns einfach wohlfühlen. Nach einer kurzen Videopräsentation sind wir stolz - stolz zu sehen, wie viel Wertschätzung uns hier entgegengebracht wird.

 

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Wir sind der erste deutsche Betrieb, der eine Zusammenarbeit mit dem Stricker eingegangen ist. Stolz sind wir auch darauf, dass wir es geschafft haben unseren Bouclémantel mit dieser Produktionsstätte umzustellen - auf eine GOTS-zertifizierte Ware aus kontrolliert biologischer Tierhaltung. Daran sind wir und unsere Produzenten bisher immer gescheitert und meine anfängliche Skepsis ist nach diesem Besuch der Gewissheit gewichen, dass hier Menschen arbeiten, die ihre Arbeit lieben und das Material Wolle sehr wertschätzend behandeln. In den Produktionshallen sehen wir beeindruckende Maschinen und clevere Lösungen im Bereich der Material-Aufrüstung, die mich einfach glücklich machen und mein Textilanten-Herz höher schlagen lassen. Wie zum Beispiel die Idee, die Wolle mit echten Disteln aufzurauen. Das bringt mich zurück zu meinem Ursprung, meiner Vision von einem guten Gefühl auf der Haut und dem Gewissen. Materialien, die gut behandelt werden, gut verarbeitet sind und sich dadurch einfach gut anfühlen. Und noch etwas beeindruckt mich nachhaltig: In jeder Produktionshalle herrschte eine so angenehme Ruhe. Diese Ruhe, die Herr Massimo, der ursprünglich aus Tibet stammt und Buddhist ist, in diese ganze Produktion bringt, ist einfach wohltuend. Die Wege zwischen den einzelnen Maschinen sind doppelt so breit, wie in anderen Produktionsstätte. Dieser Platz und Raum für die Menschen, die sich dort bewegen und arbeiten, und der die Möglichkeit gibt, die Ware gefühlvoll zu bewegen - all das hat mich wahnsinnig gefreut. Es ist wieder einmal ein völlig konträres Bild zu dem vorurteilsbehaftetem China und hat gezeigt, dass es sich lohnt auf die Suche zu gehen.

 

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Der Rückflug nach Deutschland steht bevor und ich freue mich auf zuhause - freue mich besonders auf mein Team, dem Cornelia und ich unsere neu gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke direkt weitergeben möchten. Vor allem möchten wir aufräumen mit einem Vorurteil: der „Made-in-China-ist-schlecht“-Schublade in den Köpfen unserer westlichen Gesellschaft. Ein nennenswerter Anteil unserer LANIUS Kollektion ist "Made in China“ und ist genauso nachhaltig und fair produziert, wie unsere Textilien aus Europa. Schlechte Produktionsstätten gibt es überall auf der Welt, doch genauso gibt es die guten und es lohnt sich, diese zu suchen. Wir haben sie für LANIUS gefunden und mit „Made in China“ verbinde ich Menschen und Betriebe, auf die ich mich immer zu 100% verlassen konnte, ich verbinde damit Liefertreue, eine uns sehr verwandte Pünktlichkeit, Professionalität und absolut hohe Qualität.